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Georgia von Schlieffen auf Social Media

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Wenn ich vor einer leeren Leinwand stehe, beginne ich, irgendwohin im Bild verschiedene Farben zu setzen, die sich in diesem Moment stimmig für mich anfühlen und die mir gerade einfallen. Welche Farbe ich auswähle, kann daran liegen, in welcher Stimmung ich mich an dem betreffenden Tag befinde, welche Erinnerungen mich gerade durchziehen. Ich lege während des Malvorgangs immer wieder Pausen ein, um zu schauen, wie sich ein Bild weiterentwickelt und ich trete mit einem Bild in einen Dialog. Am Anfang dieses Dialogs bin ich noch die Hauptakteurin, was sich im Laufe des Malens verändert. Denn das Bild rückt immer mehr ins Zentrum des Geschehens, als würde es mich im Laufe seiner Entstehungsgeschichte mehr in die Malerei hineinleiten, fast so, als würde das Bild mit mir kommunizieren, um mir anzudeuten, was es malerisch noch benötigt. Somit trete ich innerlich von meinen ursprünglichen Ideen und Wünschen an das Bild ein wenig zurück.

Auch laufen beim Malen oftmals innere Filme, von Menschen, Landschaften und Begebenheiten aus der Vergangenheit und verschiedenen Zeitebenen in meinem Leben vor meinem geistigen Auge ab. Diese arbeite ich auch in meine Werke hinein – vielfach in Form einer Farbe, die mich in dem Moment an ein bestimmtes Gefühl erinnert. Wenn ich dann die nächste Schicht in das Bild hineinarbeite, kann es durchaus sein, dass die entsprechende Farbe wieder völlig aus dem Bild verschwindet. Am Ende des Malprozesses steht dann ein ganz anderes Bild, als ich mir vielleicht am Anfang vorgestellt hatte – sozusagen bin ich in eine schöpferische Wegstrecke malerisch gegangen, die sich gefühlt wie von selbst entfaltet hat und mit einem Bild endet. Dabei kann es passieren, dass ich unerwartet eine Farbe benötige, an die ich mich mit Farbmischungen anzunähern habe oder gar neu erwerben muss.

Darüber hinaus sehe ich mich im Laufe des Malens immer wieder gezwungen zu schauen und wiederum zu schauen, wobei ich in manchen Situationen nicht weiter weiß. Somit ist Geduld gefragt. Dieses Bild ist in verschiedenen Kontexten entstanden: in einer Malkurssituation an der Kunstakademie in Bad Reichenhall und ich dachte, es sei fertig. Dann stand es jahrelang herum, dann arbeitete ich daran weiter und es fühlte sich noch nicht fertig an. Schließlich überarbeitete ich es nach weiteren Jahren nochmals, bis ich es als hundertprozentig stimmig empfand.