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Georgia von Schlieffen auf Social Media

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Wege zu einem Bild sind mannigfaltig. Wege, die sich parallel entwickeln, nebeneinander hergehen, um sich schließlich im Bild zusammenzufinden. Wege, die aus Mediationen, Erinnerungsfragmenten, Ideen und Bildern (inneren und äußeren) bestehen.
Auf einmal war mir klar geworden, dass ich ein Stück Pappkarton bemalen wollte (ich hatte vorsorglich ein Überbleibsel des großen Postpakets, in dem meine neuen Ölfarben bei mir angekommen waren, aufbewahrt). Das Stück Pappkarton in den Händen haltend dachte ich daran, dass dieses Material oftmals schnell weggeworfen wird, auf Straßen herumliegt und von Obdachlosen zum Warmhalten genutzt wird. Auch liefen Bilder vor meinem inneren Auge vorbei, wie sich Flüchtlinge vor ihrem Aufbruch über das Mittelmeer provisorisch Lagerstätten mit Pappkartons gebaut hatten. Somit führte mich der Pappkarton direkt in ein Thema ein, mit dem ich mich seit längerem beschäftige. Ich suchte im Internet nach einem Foto bezüglich „Mittelmeer bei Nacht“, um mich weiter an die Gefühle der Flüchtlinge von Dunkelheit und Verzweiflung und gleichzeitig mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa heranzutasten. Ein Foto einer Überfahrt über das Mittelmeer aus einem privaten Urlaubsblog sprach mich direkt an und diente mir als Vorlage, ohne diese eins zu eins kopieren zu wollen. Als Gegenpol zum Malgrund wählte ich Ölfarben von höchster Qualität.
Es dauerte einige Tage, in denen in mir das Bild weiter entstand und auf dem Malgrund entfaltete. Malpausen lagen dazwischen, in denen ich mich anderen Werken zuwandte.
Der Brief von Vito Fiorino als Nachklang zum Retreat der Zenpeacemakers auf Lampedusa im September 2014, der am 3.Oktober 2013 über 40 Flüchtlingen vor der italienischen Insel Lampedusa das Leben gerettet hatte, versetzte mich mitten hinein in die Ereignisse, die sich im Mittelmeer um Flüchtlinge abgespielt haben und noch abspielen. Beim Malen erinnerte ich mich an die Woche als Retreatteilnehmerin auf Lampedusa mit ihren vielfältigen Gegebenheiten, Begegnungen und Gesprächen. Dabei ging mir das Bild nicht aus dem Kopf, als unsere Retreatgruppe mit einem Fischerboot zur Insel zurückfuhr. Ich schaute auf die Stelle, an der wir Blumen ins Meer geworfen und der ertrunkenen Flüchtlinge mit Gebeten, Gesang, Flötenspiel und Stille gedacht hatten. Der graue Himmel klärte sich auf und Lichtstrahlen fielen auf das Meer. In eine tiefe meditative Stimmung versetzt konnte ich davon meinen Blick nicht lösen, sodass mich diese Bilder seitdem begleiten und Eingang in mein Bild fanden.